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Warum OEMs mehr brauchen als Gigafactories: Die Rückkehr der maßgeschneiderten Batteriepack-Fertigung

Uhr4 Min. Lesezeit
Kalender 04/06/2025

In der Batteriebranche sind Gigafactories zu den Stars der Industrie herangewachsen – sie ziehen den Großteil der Investitionen, Medienaufmerksamkeit und politischen Unterstützungen auf sich. Ihr Einfluss auf die Automobilbranche ist immens. Doch für viele OEMs außerhalb dieser Industrie sind sie nicht die Lösung. Branchen wie Medizintechnik, Robotik oder spezialisierte Elektrofahrzeuge (EVs) brauchen etwas anderes: Flexibilität, Geschwindigkeit und technischen Support, den groß angelegte Zellfertigungen schlicht nicht bieten können.

Auf den ersten Blick scheint es um Stückzahlen zu gehen. Doch im Kern geht es um Anpassungsfähigkeit. Gigafactories sind auf Skalierung ausgelegt: feste Formate, langfristige Programme und Prozesse, die sich Konstanz wiederholen. Das funktioniert hervorragend für Automobilhersteller mit Millionenproduktion. Für OEMs, die nur zehntausende oder sogar nur einige hundert Stückzahlen herstellen, ist dieses Modell oft unpassend. Sie brauchen einen Partner, der schnell reagieren, sich auf wechselnde Anforderungen einstellen und technisch anspruchsvolle Produkte durch Design, Tests und Zertifizierung begleiten kann.

Diese Unternehmen bewegen sich meist in dynamischen Märkten. Anforderungen ändern sich, regulatorische Hürden entstehen, Produktspezifikationen entwickeln sich weiter. In starren Produktionsplänen oder unflexiblen Designs gefangen zu sein, kann Fortschritt ausbremsen, die Kosten erhöhen und Innovationen hemmen. Zudem liegen die Mindestabnahmemengen, die eine Zusammenarbeit mit einer Gigafactory wirtschaftlich attraktiv machen würden, oft weit über dem, was solche OEMs ordern könnten.

Deshalb wenden sich immer mehr OEMs an spezialisierten Batteriepack-Herstellernzu. Diese Partner liefern nicht nur Batterien – sie entwickeln gemeinsam mit dem Kunden maßgeschneiderte Lösungen für das jeweilige Produkt und dessen spezifische Anwendung. Vom mechanischen und elektrischen Design über die Integration des BMS bis zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und der Endmontage: Das Leistungspaket deckt alle Schritte ab und ist auf mittelgroße Produktionsmengen ausgelegt. Ziel ist es nicht, das Gigafactory-Modell im Kleinformat zu kopieren, sondern einen völlig anderen und neuen Mehrwert zu schaffen.

Besonders vorteilhaft sind Batteriepack-Anbieter mit vollständiger Inhouse-Kompetenz. Wenn Design, Validierung und Montage unter einem Dach stattfinden, verkürzen sich Entwicklungszeiten, und Schnittstellenprobleme lassen sich frühzeitig vermeiden. Zudem können Komponenten auf Basis von Leistung, Verfügbarkeit und Kosten ausgewählt werden – und nicht nach Vorgaben einer starren Lieferkette. In Märkten, in denen Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit zählen, ist das ein klarer Vorteil.

Die Zellwahl ist ein gutes Beispiel. Ein Hersteller von Elektrowerkzeugen oder medizinischen Geräten möchte vielleicht Entladeraten oder Energiedichte priorisieren, dabei aber auch die Kosten im Griff behalten. In standardisierten Setups sind solche Veränderungen schwer realisierbar. Ein flexibler Partner kann unterschiedliche Lieferanten einbeziehen, Alternativen testen und das Design anpassen, ohne den Entwicklungsprozess von vorne beginnen zu müssen. So lassen sich technische Zielvorgaben erreichen, ohne Budget oder Zeitplan zu sprengen.

Die britische Batterieindustrie – und andere in Europa – haben zu Recht stark in Gigafactories investiert. Diese Großanlagen stehen für industrielle Stärke und sind wichtig für die Resilienz regionaler Lieferketten. Doch ein zu einseitiger Fokus auf Zellproduktion birgt Risiken. Ohne das Ökosystem, das Zellen in funktionale Batteriepacksysteme verwandelt, bleibt die Wertschöpfungskette unvollständig.

Auch die Politik muss die Unternehmen berücksichtigen, die in Großbritannien und Europa seit Jahrzehnten Batteriepacks entwickeln und fertigen. Diese Hersteller bedienen OEMs in verschiedensten Branchen und entwickeln Lösungen für spezifische Geräte, Maschinen und Fahrzeuge. Ihr Wachstum zu fördern heißt, anzuerkennen, dass die Zukunft der Elektrifizierung weit über den Automobilsektor hinausgeht und dass viele Innovationen in kleinen bis mittleren Serien beginnen, die kontinuierliche technische Unterstützung benötigen.

Ein besonders vernachlässigter Bereich ist die Herstellung von Nischenfahrzeugen. Kleinere EV-Hersteller benötigen beispielsweise 500 bis 1,500 große Packs pro Jahr – zu wenig für eine Gigafactory, zu komplex für ein Prototypenbüro. Dennoch müssen sie dieselben regulatorischen Vorgaben, Sicherheitsstandards und Integrationsanforderungen erfüllen wie ein großer Automobilkonzern. Sie brauchen einen Partner, der mit ihnen wächst – mit echter Engineering-Kompetenz, aber ohne den Overhead und die Komplexität eines typischen Automotive-Großprojekts. Mit dem weiteren Fortschritt der Elektrifizierung in Spezialmärkte wird die Nachfrage nach maßgeschneiderten Batteriesystemen weiter steigen. Nicht jeder OEM will oder braucht Millionen Zellen pro Jahr. Viele suchen nach einem Weg, neue Produkte schnell, zuverlässig und mit exakt passender Batterie auf den Markt zu bringen. Das ist keine Marktlücke – das ist eine Wachstumschance.

Gigafactories werden auch künftig die Branche prägen. Aber sie sind nur ein Teil des Gesamtbildes. Maßgeschneiderte Batteriehersteller ermöglichen eine andere Art von Fortschritt – einen, der auf Reaktionsfähigkeit, Zusammenarbeit und technischer Präzision basiert. Und genau das ist für viele OEMs die Zukunft.

Gigafactories werden die Richtung der Branche weiterhin prägen. Doch sie sind nur ein Teilaspekt. Hersteller kundenspezifischer Batterien ermöglichen einen anderen Fortschritt – einen, der auf Reaktionsfähigkeit, Zusammenarbeit und technischer Präzision basiert. Und für viele OEMs sieht genau das die Zukunft aus.

Autorin

ABT

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